Ab sofort erscheinen hier regelmäßig Hörproben: kurze Ausschnitte aus historischen deutschen Texten, vorgelesen von einer synthetischen Stimme. Dienstags und freitags kommt eine neue dazu.

Warum kurze Ausschnitte

Eine Hörprobe dauert etwa vierzig Sekunden. Das ist kein Zufallsmaß, sondern das Ergebnis einer Messung: Die Sprachsynthese liest historische deutsche Prosa mit rund dreizehn Zeichen pro Sekunde. Vorher haben wir die Länge in Wörtern bemessen — ein schlechtes Maß für das Deutsche, wo ein Wort wie „Weibervergötterung" so zählt wie „und", aber ein Vielfaches an Zeit braucht. Die Proben gerieten dadurch auf über eine Minute.

Jeder Ausschnitt beginnt am Satzanfang und endet am Satzende. Passt beides nicht in den Zeitrahmen, fällt die Stelle weg, statt dass die Aufnahme mitten im Satz einsetzt.

Was daran interessant ist

Die Texte stammen aus dem Deutschen Textarchiv und sind zwischen 1500 und 1950 erschienen. Vor der Vertonung durchlaufen sie eine automatische Normalisierung: Historische Schreibweisen werden so weit angeglichen, dass die Synthese sie richtig ausspricht — der Wortlaut selbst bleibt unangetastet. Wie gut das gelingt, hört man an den Proben besser, als man es beschreiben kann. Genau dafür gibt es sie.

Manches fällt erst beim Hören auf. In einem Satz von Willibald Alexis — „eine Frau von Verstand und selbst Witz" — sprach die Engine „Selbstwitz", weil sie die Wortgrenze überlas. Solche Stellen sammeln wir und arbeiten sie ab.

Die erste Probe ist da: ein Ausschnitt aus Lou Andreas-Salomés „Fenitschka" von 1898.