Diese beiden Briefauszüge aus den Jahren 1832 zeigen einen Schreiber, der seine Korrespondentin mit witzigen Bemerkungen bei Laune hält. Der Ton wechselt zwischen politischer Ironie (die republikanischen Zierbengel mit roten Hüten) und einer bitteren Randbemerkung zur Cholera, dann zu alltäglicher Kriegsbeobachtung – Kanonen, Truppen, Geschütze vor dem Fenster. Die historische Orthografie (hiesigen, exercieren) und die unmittelbare, anekdotische Weise, wie Gegenwärtiges festgehalten wird, machen die Stimme des Schreibers plastisch hörbar.

Der Auszug

Ich wollte, ich hätte geschwiegen. Es überfällt mich eine unsägliche Angst. Du schreibst gleich, doch um Himmelswillen nicht, wenn es dich Anstrengung kostet. Du sprachst mir von einem Heilmittel; lieb Herz, schon lange schwebt es mir auf der Zunge. Ich liebte aber so unser stilles Geheimnis, - doch sage deinem Vater Alles, - doch zwei Bedingungen: Schweigen, selbst bei den nächsten Verwandten. Ich mag nicht hinter jedem Kusse die Kochtöpfe rasseln hören und bei den verschiedenen Tanten das Familienvatersgesicht ziehen.

Zur Quelle

Der Text stammt aus Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß – Erste kritische Gesammt-Ausgabe (vollständige digitalisierte Ausgabe) von Büchner, Georg (1879) und wurde dem Deutschen Textarchiv entnommen. Für die Vertonung wurde er automatisch normalisiert — historische Schreibweisen werden dabei so weit angeglichen, dass die Sprachsynthese sie korrekt ausspricht, ohne den Wortlaut zu verändern.

Gesprochen von der synthetischen Stimme Leonie.