Diese Passage zeigt eine Frau in einem Moment der Selbstbeobachtung, die eine subtile innere Veränderung an ihrem Spiegelbild wahrnimmt. Der Text arbeitet mit feiner psychologischer Prosa: Der Erzähler registriert zunächst nur minimale äußere Unterschiede — einen unveränderten Haarschmuck — und eröffnet dann durch die wiederholte Wendung »und doch« die Spannung zwischen Schein und innerer Realität. Die geschwungenen, mit Gedankenstrichen durchbrochenen Sätze folgen dem tastenden Bewusstsein der Figur und verleihen der Szene eine Intimität, die beim Hören unmittelbar zugänglich wird.
Der Auszug
Sie wendete sich langsam wieder dem Spiegel zu, um nochmals ihr Bild zu beschauen. Ja, es war eine Veränderung vorgegangen mit ihr seit einer kurzen halben Stunde - sie war eine Andere geworden; aber wo lag er denn, dieser Wechsel? - An dem Haarschmucke allein konnte es nicht liegen, er war in all seinen Touren bis in die kleinsten Formen herab der nämliche geblieben; und doch … und doch bildete er einen so ganz andern, hellern Rahmen als bisher um die Stirn, fast wie von einem verborgenen Lichte angeschimmert.
Zur Quelle
Der Text stammt aus Das erfüllte Versprechen (vollständige digitalisierte Ausgabe) von Frey, Jacob (1910) und wurde dem Deutschen Textarchiv entnommen. Für die Vertonung wurde er automatisch normalisiert — historische Schreibweisen werden dabei so weit angeglichen, dass die Sprachsynthese sie korrekt ausspricht, ohne den Wortlaut zu verändern.
Gesprochen von der synthetischen Stimme Mortimer Folchart - Professional Audiobook & Hörbuch Narrator.